gewesen

Die Friedensbewegung der 70er und 80er Jahre war geprägt von einer gemeinschaftlichen Sehnsucht nach Veränderung, Ruhe und der Zeit sich selbst zu finden und zu entwickeln. Diese Sehnsucht entsprang zum Großteil aus der ständigen Präsenz der familiären Kriegsveteranen, der autoritären Altpädagogen und der damals schon aufkeimenden Politik der Täuschung. Eines aber war in den Köpfen mancher Jugendlicher noch stark verankert: Das kritische Denken, der Mut, den Widerstand als Werkzeug einzusetzen und vor allem der Glaube an Gemeinschaft.

 

Es war die Zeit der Bewegungen. Für Frieden, gegen Kernkraft, für menschliche Arbeitsbedingungen, Denkfreiheit und Ungehorsam.Je nach Selbstverständnis fühlten sich junge Menschen zugehörig. Die Mutigen in den linken Bewegungen, bei den Künstlern, die Zögernden in den Kirchennahen und den Sicheren. Aber alle glaubten an die Bewegung, an die Veränderung und letztendlich an einebessere Welt.    Und viele wussten, es würde nur über eine gemeinschaftliche Bewegung gehen. Es wurde Demonstriert, Besetzt, Konzertiert, Getextet, Gemalt – für eine gemeinsame Idee.

 

Dieses kritische Denken, das Wahrnehmen des Wesentlichen, hatte etwas Ursprüngliches, etwas Grundsätzliches. Und daraus entstanden Bewegungen und Haltungen, die heute von vielen genutzt und gebraucht werden. Ob der große Kontext des biologischen Landbaus, der gesunden Ernährung, der ganzheitlichen Medizin oder der ökologischen Thematiken.

„Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin „ Wie würde man heute sagen? Vielleicht „ Stell dir vor es ist Krieg und keiner nimmt ihn wahr? „ ,oder „Stell dir vor es ist Krieg und niemand fragt sich warum?“ sehr wahrscheinlich wäre: „ Stell dir vor es ist Krieg und keiner kann sich Frieden vorstellen?“

Bekannte Philosophen und Bildungsexperten zeichnen ein sehr düsteres Bild von unserem Bildungssystem. Man spricht von einer Situation „Fünf Minuten vor Zwölf“, andere von „Geisterstunde“, die radikalen Denker sehen keine wirkliche Rettung mehr.

Ich würde sagen : Bildung vollzieht sich, so wie das Leben, ursprünglich als Kontinuum. Wir haben nur verlernt daran teil zu nehmen. Wir sind nicht mehr berührbar von Phänomenen, weil wir verlernt haben, sie zu beobachten. Wir können nicht mehr kritisch Denken, weil wir verlernt haben ursprüngliche Fragen zu stellen, wir leisten keinen Widerstand mehr, weil wir keine Emotion der Sehnsucht nach etwas Anderem verspüren.

Dieses Sehnen hat etwas Ursprüngliches. Es bedingt jegliche Entwicklung und jegliches Weitergehen. In unserer Zeit versuchen wir den radikalen, fundamentalen Kräften in uns, auszuweichen. Wir haben selten die Kraft und den Mut uns uns selbst zu stellen.

Aus – und Durchhalten sind die Parolen der Zeit. Grundlegende Veränderungen trauen wir uns nicht mehr zu. Und diese Haltung bedingt, dass wir immer weniger im Leben verwurzelt sind, echte Erfahrungen vermeiden und nicht mehr berührbar werden.

Kai Kranner